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RA508 - Luftkriegsarchiv Köln

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RA508

Abstürze > der R.A.F.

Der Verbleib der Lancaster RA508 war 80 Jahre lang ungeklärt, als Absturzort wurde von Seiten der Royal Air-Force irgend ein Punkt in der Nordsee angenommen. Erst jetzt konnte der tatsächliche Absturzort mit 99,9%iger Sicherheit bestimmt werden. Mit Hilfe von Kollegen aus Deutschland und England ist es mir gelungen, das Geheimnis der RA508 zu lüften.
Mein besonderer Dank gilt hierfür Marc Hall, John Fricker, Keith Bunn und Lynda Graham, alle aus Großbritannien, Jim Cave aus Canada, Traugott Vitz aus Deutschland und vielen anderen, die geholfen haben, die einzelnen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen zu fügen. Ebenso danke ich Herrn Lutz Aldermann aus Radevormwald, der mir bei der Suche nach dem Absturzort sehr behilflich war. Dank auch an die Hinterbliebenen der Crew, die mich bei der Suche nach Informationen unterstützt haben.

Aber der Reihe nach:
Am Vormittag des 12.März 1945 starten 1.108 Bomber der R.A.F. zum Angriff auf Dortmund. Es sollte der letzte große Angriff auf die Industriestadt im Ruhrgebiet sein. Denn die amerikanischen Streitkräfte hatten am 7.März schon die linksrheinischen Stadtteile von Köln eingenommen, die Deutsche Wehrmacht wurde auf der rechtsrheinischen Seite immer weiter zusammengedrängt und in den sogenannten "Ruhrkessel" gezwängt. Nur noch hier wurde die britische Bomberstreitmacht von der deutschen Flak bedroht, die Deutsche Luftwaffe war mangels Treibstoff und Munition fast wirkungslos. Man ging von Seiten des Bomber-Command also von einem relativ ruhigen und störungsfreien Angriff aus.

Eine der am Angriff beteiligten Maschinen war die Lancaster RA508 der 106th Sqd, die gegen 13:30 Uhr in Metheringham gestartet war. Bis auf Höhe Köln gestaltete sich der Anflug für die Crew recht entspannt, bis sie mit zwischen Köln und Düsseldorf mit großer Wahrscheinlichkeit von der Flak unter Beschuss genommen und getroffen wurde.

Die Maschine geriet in Brand und scherte nach rechts aus dem Bomberverband aus. Immer weiter an Höhe verlierend flog sie über Remscheid und Lennep Richtung Radevormwald.
Aus Richtung Vorm Holte kommend streifte sie das Dach eines Bauernhofs in Ülfe I und zerschellte dahinter in einer Explosion auf einem Wiesengrundstück. Über mehrere hundert Meter im Umkreis verstreuten sich die Trümmerteile, die mehrere Stunden brannten. Nach Augenzeugenberichten wurden von der Besatzung nur noch zerfetzte und verbrannte Einzelteile gefunden. Zivilisten bargen die Leichenteile, legten sie in eine Holzkiste und bestatteten sie in einem Bombenkrater in der Nähe. Der genaue Bestattungsort wurde jedoch nie genau dokumentiert und lässt sich heute nicht mehr feststellen. Somit wurden die sterblichen Überreste nie geborgen und liegen mit großer Wahrscheinlichkeit noch heute dort.

Bald nach Kriegsende wurde der Krater komplett zugeschüttet und eine provisorische Straße darüber gebaut. Nachforschungen von Seiten der R.A.F unterblieben, denn es gab an diesem Tag nur zwei Verluste, die das Bomber Command zu beklagen hatte: die RA 508, die angeblich über der Nordsee abgestürzt war und die PB187, die nachweislich in  ein Straßenbahndepot in Duisburg gestürzt war. Also gab es überhaupt keinen Grund für Nachforschungen...
oben links:
die Route des Bomberstroms Richtung Dortmund und das Ausscheren der RA508 Richtung Radevormwald.

oben rechts:
der Anflug der brennenden RA508 auf Ülfe I und der Aufschlagpunkt.

unten links:
Eine Luftaufnahme des Aufschlagpunktes. Aufnahme von ca. 1957

unten rechts:
Das inzwischen bebaute Absturzgebiet heute 2024.


Und so vergingen die Jahre und der Absturz in Radevormwald geriet in Vergessenheit. Mitte der 90er Jahre erinnerte sich jedoch der ehemalige Lehrer Friedhelm Brack an die Geschehnisse aus den Kriegsjahren. Und er begann die Ereignisse der Kriegszeit in und um Radevormwald aufzuzeichnen, denn er hatte als Jugendlicher die meisten dieser Geschehnisse selbst erlebt. So auch den Absturz in Ülfe I; und er hatte sogar noch mehr als nur die Geschichte im Kopf, er hatte seinerzeit "Souvenirs" mitgenommen.
Unter anderem einige Landkartenfragmente, die den Absturz und das anschließende Feuer überstanden hatten.
So schrieb Friedhelm Brack Mitte der 9oer Jahre die Royal Air-Force an und bat um Informationen zu diesem Absturz. Und es wurde ihm schriftlich mitgeteilt, das nur zwei Maschinen an diesem Tag abgestürzt seien. Nämlich die RA508 über der Nordsee und die PB187...und so schlussfolgerte Herr Brack, das es sich bei der in Radevormwald/Ülfe I abgestürzten Maschine nur um die PB187 handeln konnte. Obwohl es schon einige Ungereimtheiten gab, so zum Beispiel einen Überlebenden, der in Duisburg in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. Einen solchen Überlebenden hatte es aber bei dem Absturz in Radevormwald nicht gegeben...Dennoch war es für den Zeitzeugen Brack völlig klar, das die hier abgestürzte Maschine die PB187 war
Im Jahre 2000 veröffentlichte Herr Brack die Kriegsgeschichten von Radevormwald unter dem Titel "Als Feuer vom Himmel fiel - Auf den Spuren des Luftkrieges 1939-1945 im bergischen Land und Rheinland".

Im Rahmen meiner Nachforschungen zu anderen Abstürze alliierter Flugzeuge im Kölner Umland besuchte ich das Stadtarchiv in Radevormwald und fand dort den Nachlass von Friedhelm Brack, der im Jahre 2015 verstorben war. Hierin waren nicht nur die Aufzeichnungen zu seinem Buch sondern auch die Fragmente der Landkarten, die er 1945 aus dem Flugzeugwrack geborgen hatte. Es begann eine lange Zeit der Recherche, unzählige Emails, Briefe und Telefonate wurden getätigt und die Örtlichkeiten des Absturzes besucht.

Nachdem endgültig und unwiderlegbar geklärt war, das die PB187 in Duisburg abgestürzt war und der einzig Überlebende der beiden Abstürze zu eben dieser Maschine gehörte, lag es sehr nahe, das es sich bei der in Radevormwald abgestürzten Lancaster um die RA508 handeln musste. Inzwischen ist auch  geklärt, das die aufgefundenen Landkarten zu dem Angriff auf Dortmund verwendet wurden. Eine letzte Sicherheit könnten handschriftliche Aufzeichnungen aus dem Nachlass des Navigators George Herbert Harding bringen, denn auf einer der Karten sind handschriftliche Notizen von ihm vermerkt.

Inzwischen ist es mir gelungen, Nachkommen von George Herbert Harding in England ausfindig zu machen.  Und großes Glück ist auch, das diese einige seiner handgeschriebenen Briefe aus der Kriegszeit aufbewahrt haben. Nach einem Schriftenvergleich bin ich mir sehr sicher, das die Aufzeichnungen auf den Landkartenfragmenten von Sgt. Harding stammen. Endgültig klären könnte das lediglich ein aufwändiges graphologisches Gutachten

Aufgrund alles Fakten bin ich zu 99,9% davon überzeugt, das der Absturzort der RA508 in Radevormwald gefunden wurde. Und die Toten weiterhin hier irgendwo unter dem inzwischen entstandenen Industriegebiet liegen..


Über diese Geschichte wurde in der britischen Presse berichtet:


 

oben:
zwei Kartenfragmente, geborgen aus der am 12.03.1945 abgestürzten Maschine in Radevormwald.

Quelle: Stadtarchiv Radevormwald  Best. 2.6 A 151
oben links:
Sgt. Kenneth Haw und seine Frau Alice.
Sie heirateten am 27. Februar 1945

oben rechts:
Fl/Sgt. George O´Brien von der RAAF




mitte links:
Sgt. Donavan Carter

mitte rechts:
Fl/Sgt. Hunter Gillender von der RCAF





unten links:
Der Pilot, P/O Frank Ernest Baker
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