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42-5828 - Luftkriegsarchiv Köln

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42-5828

Abstürze > der USAAF

289 B-17 starteten am Morgen von verschiedenen Flugplätzen in England zum Auftakt der „Big Week“ zum Angriff auf die Industriestätten in Aschersleben, Bernburg und Halberstadt. 19 Maschinen davon griffen u.a. die Werkhallen der RAUTENBACH AG, einer Produktionsstätte für Leichtmetall-Gussteile in Wernigerode an. Es war der heftigste Angriff, den die kleine Stadt im Harz erfahren musste, 192 Menschen starben bei dem Bombenangriff, über hundert Häuser wurden zerstört und weitere einhundert wurden beschädigt.
 
Aber auch für die USAF war dieser Tag mit großen Verlusten behaftet, 38 B-17 kehrten nicht mehr zu ihren Ausgangsorten zurück, über 400 amerikanische Soldaten waren tot oder galten als vermisst.

 
Eine der Maschinen, die an dem Angriff auf Wernigerode teilgenommen hatte, war die B-17 „Sweater Girl“ unter dem Kommando von 1st Lt. John E. Morse, einem 30jährigen ehemaligen Fluglehrer.
 
Auf der Höhe von Köln geriet die B-17 in heftigen Beschuss mehrere schwerer Flakbatterien. Die Folge waren ein schwerer Treffer im rechten Flügel und ein Brand im Inneren des Cockpits. Die Maschine geriet sofort aus der Formation und stürzte in einer Linksdrehung ab. Jedoch gelang es dem Piloten in einer großen Kraftanstrengung, die Kontrolle über das Flugzeug zurückzugewinnen und aus dem tödlichen Sturzflug herauszuziehen.
 
Der Brand im Inneren des Flugzeugs konnte gelöscht werden, jedoch waren die Schäden nicht unerheblich. Dazu kamen die schweren Verwundungen von Funker Willard Clothier, dem Flaksplitter den linken Oberschenkel fast komplett abgetrennt hatten. Und Edward Pate, dem Heckschützen, der durch die Flaksplitter ein großes Loch im Fußgelenk hatte.
 
Aber dem Piloten war klar, das er mit diesen Schäden und zwei schwer Verwundeten niemals den Weg  zurück nach Kimbolton schaffen würde. Was blieb, war der Versuch einer Bauchlandung oder die Besatzung abspringen zu lassen. Die Verwundeten waren notdürftig versorgt und verbunden, die Kameraden hatten ihnen die Fallschirme umgeschnallt. Kurz vor der holländischen Grenze legte der Pilot die Maschine in eine leichte Linkskurve und gab dem Befehl zum Ausstieg. In etwa 600 Meter Höhe verließen alle, außer dem Piloten das Flugzeug. John Morse hatte eine Idee, die Maschine relativ sicher zu Boden zu bringen. Er schnallte mit Gurten das Steuerruder fest, um die „Sweater Girl“ in einem leichten, flachen Spiralflug nach unten zu bringen. Dann sprang auch er aus dem Flugzeug.

Nach über einer viertel Stunde, in der die führerlose Maschine ruhige, stetig sinkende Kreise flog, landete sie hinter den Häusern von Oberbruch, nahe eines Bauernhofs im freien Feld. Es gab keine Explosion und niemand wurde verletzt. Das fliegerische Können von John Morse hatte der Besatzung das Leben gerettet und die Bürger von Oberbruch vor einer Katastrophe bewahrt.
 
 
Die gesamte Besatzung erreichte, wenn auch teilweise schwer verwundet den Boden und geriet in Deutsche Kriegsgefangenschaft.
 
Willard Clothier wurde ins Krankenhaus von Rheinberg eingeliefert, wo ihm das linke Bein amputiert werden musste. Er wurde nach kurzer Zeit in die USA repartiert. Alle anderen kehrten nach dem Krieg in die USA zurück.
 
 
2014 errichteten Bürger von Oberbruch ein Mahnmal zum Gedenken an die Ereignisse vom Januar 1944 im Ortskern von Oberbruch ( siehe: www.limburg-bernd.de)

Zusätzliche Quellen:
Mein herzlicher Dank an:
Helmut Frenken aus Oberbruch für die Fotos des Mahnmals.
Paul Philips, dem Sohn von F/O Robert J. Philips, für die Fotos der abgestürzten B-17


oben:
Die Absturzgegend um Oberbruch

darunter:
Der Absturzort in Oberbruch


unten:
Die vier Fotos des abgestürzten Wracks verdanke ich Paul Philips,
dem Sohn von F/O Robert J. Philips.


oben links:
B-17 im Formationsflug,  in der Mitte die WA-D   "Sweater Girl"

oben rechts:
die Crew der B-17 "Sweater Girl"

unten:
Das Mahnmal in Oberbruch zum Gedenken an den Absturz am 22. Februar 1944

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